Retreat im Diamantweg-Buddhismus

Jeder, der allen fühlenden Wesen Nutzen bringen möchte, soll sich um die Entfaltung reifer Persönlichkeit bemühen. In den unabhängigen, westlichen Ländern den erwünschten Geisteszustand erreicht man mithilfe von diesen Lehren von Buddha, die auf der Stufe des Diamantweges erteilt wurden. Die bestehende Aktivität und Meditation befinden sich hier in einem engen Zusammenhang. Seit fast dreissig Jahren dienen kurze Phasen der Verschmelzung mit dem Lama oder einem Buddha sowie die Arbeit mit einer Mantra dienen den unzähligen Freunden zum geistigen Erfolg. Solche Mittel haben einen positiven Einfluss sowohl auf das gegenwärtige Leben, als auch auf die künftigen Existenzen. Da heutzutage viele Leute mehr Energie in ihre Entwicklung investieren wollen, wird ihnen empfohlen, die auf der ganzen Welt befindlichen Zurückziehungsgszentren in Anspruch zu nehmen.

Um die kostbare Zeit auf die möglichst beste Art und Weise zu nutzen, sollte man sich einige Tage bzw. Wochen lang in einem Ort aufhalten, in dem ein Segensfeld bereits existiert. Obwohl die wahre Natur des Geistes überall die gleiche ist, ist ein Energiefeld an dem Ort besonders kraftvoll, in dem gezielt bestimmte ’Samen’ an besonderen Wünschen zum Wohl alle Wesen eingepflanzt worden sind. Das lässt das innere Überschuss mitsamt allen damit verbundenen Eigenschaften entwickeln. Die Reinigung der tiefsten Schichten unseres Bewusstseins ist an solchen Orten auch viel mehr erfolgreich.

Die Umgebung hat immer einen Einfluss auf die Meditation, und an Retreatstellen wird der Praktizierende weniger durch alltägliche Tätigkeiten überfordert und zerstreut. Wenn noch dazu die Bewohner eines Zurückziehungszentrums offene Menschen oder begabte Lehrer sind, stellt sich gleichzeitig heraus, dass die möglichst besten Bedingungen für die Entfaltung des Geistes zusammengekommen sind.

Unterschiede zwischen Zurückziehungen und täglicher Meditation

Buddhistische Meditation dient dazu, dem Praktizierenden den Geist zu zeigen. Sie vermindert den Einfluss von Gewohnheiten, Erwartungen und steifen Vorstellungen. Indem man den Geist wie ein Juwel feilt und schleift, wird man für sich und für die anderen mehr nützlich.

Der einige Wochen dauernde Zurückziehungsvorgang verstärkt solche Effekte und beschafft mehr Distanz zum Alltag. Der Mangel an unnützlichen Zerstreuungen, die mit alltäglichen Pflichten verbunden sind, führt zu einer tieferen Erfahrung an Geistesberuhigung und Einsicht.

Durch die Diamantwegssichtweise, lassen sich kurze Retreats und Alltag ausgezeichnet miteinander verbinden. Während einer Zurückziehung, in die man sich beispielsweise mit dem Partner begibt, sind sowohl der Tag als die Nacht mit Freude erfüllt. Man gewinnt zusätzliche Kraft und Energie im und zum Leben.

Unterschiedliche Zurückziehungsarten

Jeder entscheidet selbst über die Länge der Zurückziehung. Der Praktizierende entscheidet auch selbst darüber, welchem praktischen Ziel sie gewidmet ist.

Den Anfängern empfiehlt sich durchaus die offene Variante mit vier Meditationssitzungen täglich: eine kurze Sitzung vor dem Frühstück, zwei weitere längere vormittags und nachmittags und noch eine kurze am Abend. Wenn es möglich ist, die letzte sollte am Besten zusammen mit anderen, die im Meditationszentrum wohnen, geteilt werden. Natürlich können die Sitzungen und deren Zahl auch begrenzt werden, es wird jedoch geraten, den festen Tagesplan zu entwerfen und sich an die Termine zu halten. Die übrig gebliebene Zeit ist der Hilfe im Zentrum und dem Kontakt mit Menschen, die da wohnen, gewidmet. Die Zurückziehung dieser Art kann in einem beliebigen Zentrum ablaufen und ist auch für Paare gedacht. In geschlossenen Retreats spricht der Praktizierende mit keinem oder aber steht er im Kontakt nur zu denjenigen, die ihm Hinweise erteilen und anweisen. Solche Bezugspersonen werden bereits vor Beginn der Praxis gewählt. Auch die Mahlzeiten werden in Abgeschiedenheit zu sich genommen. Eine solche Art der Zurückziehung empfiehlt man solchen Praktizierenden, die schon mehr Erfahrung mit Diamantwegsmeditationen haben.

Meditation in Zurückgezogenheit allein oder in besonderen Fällen zusammen mit anderen verschafft den Raum, der zum Wegschaffen von störenden Faktoren und Eindrücken aus tieferen Schichten unseres Bewußtseins nötig ist. Da wir bei der Praxis im Alleinsein auf die anderen nicht achten müssen, können sämtliche Eindrücke frei aufkommen und sich in Weisheit verwandeln. Das Ziel des Retreats soll aber ganz vorsichtig und vernünftig abgestimmt werden _ eine zu hoch gelegte Messlatte kann uns zum Hindernis werden und den ganzen Spass verderben.

Einige Zentren bieten Gruppenzurückziehung an. In einem solchen Fall werden manche Meditationen zusammen in ganzer Gruppe ausgeführt und die anderen wiederum einzeln. Sehr oft werden zusätzlich Vorträge oder Fragerunden mit den örtlichen Lehrer(n) vorgesehen, was sehr nützlich ist.


Die Meditation mit einer Gruppe lässt starke Verbindungen entstehen. Wenn sich daraus Freundschaften entwickeln, sind sie eine Hilfe für Wachstum, die über das Persönliche hinausgeht.